Know-how
W3C-Konformität
Am Anfang war nur Text.Der Grundgedanke des Internets war es, Texte auf möglichst simple Art einem möglichst weltweiten Publikum zugänglich zu machen. Bei diesen Texten handelte es sich vorwiegend um wissenschaftliche Daten – ausgefeilte optische Elemente oder gar Animationen und Sound waren einfach überflüssig. Inhaltlich gehaltvoll sollte eine Webseite sein, nicht schick.
Die Darstellung blieb daher zunächst dem jeweiligen Besucher überlassen. Jeder Browser interpretierte die jeweiligen textlichen Inhalte auf eine völlig eigene Weise, der Fließtext passte sich in Größe und Format einfach an die jeweiligen Browser an. Mit der Zeit stiegen jedoch die Ansprüche. Die Inhalte wurden optisch attraktiver formatiert, um sich von den übrigen Webseiten zu differenzieren.
Standardisierung.
Doch die Möglichkeiten waren stark begrenzt. Eine Plattform, die eigentlich nur dazu gedacht war, Texte darzustellen, sollte plötzlich auch ausgefeilte Seitenlayouts anzeigen. Und zwar jedem Besucher dieselben.
Mit den anfänglichen Optionen war dies schlichtweg nicht möglich, weswegen zur genaueren Formatierung neue Standards geschaffen werden sollten. Um diese Aufgabe nicht in die Hand einer einzelnen Firma oder Organisation zu legen, wurde das so genannte W3C (World Wide Web Consortium) ins Leben gerufen, eine Kooperation verschiedener Firmen und Organisationen, die damals wie heute im Internetsektor aktiv waren bzw. sind. Dazu zählen unter anderem Microsoft, IBM, Siemens, Yahoo, Intel und Hewlett Packard. Die neuen Standards gipfelten in der Formung von HTML (Hypertext Markup Language), welche sich heute (inzwischen in ihrer vierten Version) als meistgenutzte Layout-Sprache im Internet etabliert hat. HTML ist eine so genannte Steuersprache, über welche man einem Browser zu verstehen gibt, wie Inhaltselemente am Bildschirm dargestellt werden sollen.
Vergleichbar wäre das bspw. mit Notenschlüssel und Tempoangabe – beide geben an, wie die Noten interpretiert werden sollen, damit die gewünschte Melodie herauskommt. Bei HTML gibt man für seine ‚Melodie’, sprich die gewünschte Darstellung einer Webseite, bspw. Größe und Position eines Elements an, der Browser interpretiert diese Steuerungsangaben und setzt sie optisch für den Benutzer um. Webseiten sind demnach keine fertigen Kataloge oder Bilder, die etwas bereits Bestehendes zeigen, sie sind vielmehr eine Ansammlung von Daten, die wiederum die visuelle Ausgabe des jeweiligen Browsers steuern. Um auf das Beispiel mit dem Notenblatt zurück zu kommen: Im Endeffekt macht der Browser die Musik.
Das Problem mit den Browsern.
Damit sämtliche Webseiten in allen Browsern gleich aussehen, wurde die Interpretation des Datengerüsts nicht mehr den Browserherstellern überlassen, sondern vom W3C festgelegt. So sollte sichergestellt werden, dass alle Browser auf allen Plattformen die Webseiten mit den jeweiligen Steuercodes genauso darstellen, wie es der Gestalter beabsichtigt hat – ohne Erfolg. Die Browserhersteller interpretierten die Standards auf ihre eigene Weise, wodurch sich Unterschiede zwischen einzelnen Plattformen ergaben. Die Folge war: Gestalter von Webseiten mussten immer noch für jeden Browser eine angepasste Version erstellen.
Die Marktdominanz des Internet Explorers.
Heute halten sich die meisten Browser-Hersteller weitestgehend an die vom W3C festgelegten Standards. Kleinere Abweichungen gibt es allerdings immer noch, vor allem beim Internet Explorer 7 und seinen Vorgängern. Da dieser Browser beim Betriebssystem Windows gleich mitgeliefert wird, hat er eine unglaubliche Marktdominanz von weit über 80% erreicht, wenngleich er in aktueller Version nur für Windows Rechner verfügbar ist. Aus diesem Grund setzen Webdesigner oftmals auch einen an den IE angepassten HTML-Code ein, der in bestimmten Bereichen von den Vorgaben des W3Cs abweicht.
Dieses Entwickeln einer Webseite hin auf die speziellen Anforderungen des Internet-Explorers führt jedoch dazu, dass Browser, die sich strikt an die Standards halten und den Code nach den festgelegten Definitionen interpretieren, die für den IE programmierten nicht konformen Seiten im geringsten Fall leicht verschoben darstellen, im schlimmsten Fall sogar unbenutzbar machen. Darunter leiden vorwiegend Benutzer alternativer Betriebssysteme, wie bspw. Linux oder Besitzer eines Apple, da sie zumeist auch andere Browser benutzen. Gerade ältere Seiten sind stark von diesen Einschränkungen betroffen.
IE kompatibel versus W3C kompatibel.
Fakt ist, Webdesigner mussten früher viele Seiten bewusst falsch aufbauen, damit der IE sie korrekt anzeigt. Inzwischen sind viele Webdesigner mit diesen, eigentlich nicht korrekten Verfahren so vertraut, dass sie weiterhin damit arbeiten und bei Rückfragen oftmals damit argumentieren, dass der IE diese Seiten ja wie gewünscht anzeigt und diesen Browser ja schließlich (fast) alle benutzen. Erschwerend kommt hinzu, dass viele HTML-Editoren auf ähnlicher Basis arbeiten und manchmal sogar eigenen, nicht konformen Code produzieren.
Um zu verhindern, dass diese Seiten im Internet Explorer plötzlich nicht mehr funktionell sind, hat Microsoft bei der Umstellung seines Browsers auf eine korrekte Interpretation des HTML-Codes eine Weiche eingebaut. Diese versetzt den Browser in einen Modus, mit dem er Webseiten, die sich nicht an die Standards halten, so darstellt, dass für den Betrachter alles korrekt aussieht. Nur bei Webseiten, die in den ersten Zeilen der Seite bereits einen konformen Code einsetzen, wird dieser Schalter so umgelegt, dass der Browser intern nach den Standards arbeitet und versucht die Seiten nach den Vorgaben des W3C anzuzeigen (Abweichungen gibt es leider immer noch). Anderen Browsern fehlt diese Weiche, sie interpretieren ausschließlich W3C konform.
Fazit: W3C Konformität bedeutet Zukunftssicherheit.
Das W3C erweitert seine Standards regelmäßig um neue Features. Als ein Beispiel dient hier die Möglichkeit Webseiten automatisch in einem, für ein DIN-A4-Blatt angepassten Layout auszudrucken. Die dafür notwendigen Steuercodes sind zwar vom Konsortium bereits festgelegt worden, werden aber von Browsern bislang noch nicht oder nur teilweise unterstützt.
Solche Features sind allerdings nur dann möglich, wenn der Code bereits im Ursprung konform erstellt wurde, da die Browser ihn sonst gar nicht oder nur fehlerhaft interpretieren können. Darüber hinaus ist eine w3c-konforme Seite ein wichtiger Grundstein für ein barrierefreies Webdesign, denn ohne einen konformen Aufbau kann man eine Webseite nicht für die Nutzung durch Behinderte anlegen.
Björn Stengel | bst@networker.de
